Die Kreativität ist manchmal ein Biest. Sie lenkt uns mit fantastischen Ideen ab, wenn wir uns auf eine bestimmte Sache konzentrieren müssen und lässt auf sich warten, wenn wir sie dringend brauchen. Das beobachtest du möglicherweise gerade zur aktuellen Zeit sehr stark, wenn es darum geht Inspiration im Home Office zu finden.

Doch was genau verstehen wir eigentlich unter Kreativität?

Bereits seit den 1950er Jahren versucht man sich dem Begriff  anzunähern und ihn schärfer zu definieren. Während er im Duden recht knapp als schöpferische Kraft bezeichnet wird, finden sich bei genauerer Recherche zahlreiche weitere Definitionen. Das deutet bereits darauf hin, dass die Kreativität unfassbar viele Facetten hat. Insgesamt lässt sich festhalten, dass unter ihr eine Fähigkeit verstanden wird, neue, ergebnisorientierte und zweckdienliche Lösungen hervorzubringen. Kreative Menschen sind in ihrem Denken flüssig und originell, sie sind problemsensibel und lösungsorientiert.

Mit diesen Fähigkeiten ausgestattet stehen kreative Menschen im Arbeitsalltag hoch im Kurs. Und das nicht nur in den klassischen „kreativen Berufen“, sondern in nahezu allen Bereichen. Denn nach diesem Verständnis von Kreativität handelt eine Buchhalterin, die ein neues, praktikables Ablagesystem für ihre Abteilung etabliert unter Umständen genauso kreativ wie ein Designer.

In meinem letzten Beitrag haben wir herausgefiltert, welche Bedingungen kreatives Arbeiten braucht. Noch einmal zur Erinnerung:

  1. Eine Balance zwischen Inspiration, Konzentration und Ruhe, 
  2. Geistige Anregung, Vorerfahrung und Wissen, 
  3. Psychisches Wohlbefinden, Aktivität und
  4. eine möglichst angst- und stressfreie Arbeitsatmosphäre und ausreichend Zeit.

Viele von uns befinden sich nach wie vor im Home Office und mittlerweile dürften sich die meisten ganz gut eingespielt haben. Doch das Arbeiten von Zuhause hat auch Nachteile. Eine anregende Umwelt und ein geistreiches Team sind enorm förderlich für kreatives Arbeiten. Und wer nur im eigenen Goldfischglas seine Runden zieht, dem gehen irgendwann die Ideen aus.

Fünf Übungen, um im Home Office Inspiration zu finden

Deswegen möchte ich dir heute fünf Übungen vorstellen wie du Inspiration im Home Office findest. Es sind Übungen, die dein Ideenfeuerwerk neu entfachen. Dazu brauchst du nicht zwingend eine Gruppen oder Moderation. Du kannst sie ganz in Ruhe für dich im Alltag umsetzen. Wann immer du eine neue Inspiration im Home Office benötigst.

Übung 1: Die Kuchenmethode

Die Kuchen-Methode überträgt die eben noch einmal wiederholten Grundlagen perfekt auf eine praktische Übung. Um neue Ideen zu finden und zu verfeinern, hält man sich an die verschiedenen Schritte des Kuchenbackens und kommt so gut strukturiert auf originelle Lösungen nach Rezept:

Schritt 1: Zutaten bereit stellen. 

Um kreative Lösungen zu einem Thema zu finden, brauchen wir Vorerfahrung, Wissen und Information. Dieses beschaffen wir uns in diesem Schritt.  Setze hierbei wenn möglich auf verschiedene Kanäle und Sinneseindrücke. Lese dich ein, probiere Dinge aus, höre Podcasts zum Thema, sehe dir Filme dazu an, sprich mit Freunden darüber. Keine Information ist schlechte Information. Je mehr Wissen du dir in diesem Schritt aneignest, desto besser kann dein Gehirn mit dem vorhandenen Wissen spielen und daraus ein neues, originelles Resultat zaubern.

Schritt 2: Den Teig anrühren. 

Bringe deine gesammelten Informationen miteinander in Verbindung. Versuche erste Zusammenhänge und Unterschiede herauszufiltern und neue Kombinationsmöglichkeiten zu finden. Analysiere dein gesammeltes Wissen. Vielleicht hast du auch schon eine erste Idee, welche besonders brauchbar und erfolgversprechend für dich sind. Du kannst in diesem Schritt zum Beispiel auch andere Kreativitätstechniken einfließen lassen, wie zum Beispiel den Morphologischen Kasten oder eine ABC-Liste, die ich dir an späterer Stelle noch vorstellen werde.

Schritt 3: Den Teig gehen lassen. 

Kreativität braucht Ruhe und Zeit. Denn besonders in dieser Phase konstruiert unser Gehirn neue Kombinationen und beschert uns das AHA-Erlebnis. Hab daher kein schlechtes Gewissen, wenn du dich für einen definierten Zeitraum von deinem Projekt entfernst und dich anderen Aufgaben zuwendest, die deine Denkleistung nicht übermäßig beanspruchen. Auch meditieren regt unseren Geist nachweislich an. Hab Vertrauen, dass dein Gehirn auch (oder gerade) in dieser Phase seinen Job tut.

Schritt 4: Den Kuchen backen und dekorieren.

Nun beschäftigst du dich mit der praktischen Umsetzung deines Projektes. Entscheide dich für eine grobe Vorgehensweise, erstelle einen Zeitplan und arbeite Teilziele heraus. Unter Umständen macht es Sinn, nach einer gewissen Backzeit einen Testesser einzuladen, um sicher zu gehen, dass das Projekt nicht in eine falsche Richtung läuft. Hol dir Feedback von deinen Kunden,  Vorgesetzten oder Kollegen ein. Erst dann, wenn der Konsens über die Rohfassung gefunden ist, dekorierst du das Ganze noch mit Sahnehäubchen und Kirschen, fügst Details hinzu und bringst es in eine angemessene Form.

Übung 2: Die ABC-Listen

Die großartige Vera Birkenbihl hat sich Zeit ihres Lebens mit gehirngerechtem Lernen beschäftigt und ebenso geistreiche wie informative Vorträge dazu gehalten. In vielen davon schwärmte sie von dem positiven Effekt von ABC-Listen. Diese eignen sich hervorragend, um sie als kleines Kreativitäts-Workout in den Alltag einzubauen. Vor allem im Home Office sorgt diese Technik für Inspiration. Genauso lassen sie sich jedoch beim Mitschreiben von Vorträgen, beim Überprüfen gelernter Inhalte oder innerhalb eines Projektes anwenden. Das Prinzip ist denkbar simpel.

Auf einem leeren Blatt Papier notierst du alle Buchstaben des Alphabets untereinander. Darüber kannst du dein Thema für die ABC-Liste notieren. Nehmen wir an, du sollst einen Text zum Thema »Heimat« schreiben, dir fehlt jedoch die zündende Idee, um dieses Thema weiter zu spezifizieren. Du legst deine ABC-Liste an und gibst ihr den Titel »Heimat«. Nun suchst du nach Assoziationen.

Als erstes schießt dir das Wort »Berge« in den Kopf. Du notierst dieses bei »«B. Deine Augen wandern auf der Liste auf und ab, dir schießt das Wort »Elternhaus« in den Kopf, dann fällt dir der selbstgemachte »Apfelsaft« deiner Mutter ein, die »Bäume« im »Garten«, wie du einmal von der »Schaukel« gefallen bist und der »Beinbruch« als unerfreuliches Resultat.

So setzt du diese Liste fort, etwa fünf Minuten lang. Am Ende hast du einen bunten Strauß von Worten, idealer- aber nicht erzwungenerweise mit mindestens einem Begriff zu jedem Buchstaben. Diese Liste bietet dir nun verschiedene Möglichkeiten:

  • Das regelmäßige Assoziieren durch ABC-Listen trainiert deine allgemeine Fähigkeit zu kreativem Denken.
  • Sie zeigt dir unter Umständen neue Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Themenbereiche auf.
  • Die ABC-Liste ist strukturiert und trotzdem einfach in der Durchführung.
  • Sie eignet sich auch, um bei Vorträgen stichpunktartig mitzuschreiben.
  • Hast du zu einem Thema wenig Assoziationen kann das ein Indiz dafür sein, dass du noch nicht genug Wissen dazu angehäuft hast.
  • Sie eignen sich umgekehrt auch um zu überprüfen, wie viel du über ein Thema schon weißt.

Übung 3: Die Reizwortmethode

Die Reizwortmethode ist ein hervorragendes Instrument, wenn einem wirklich gar nichts mehr einfällt, du aber dringend Inspiration im Home Office brauchst, um in deinem Projekt weiterzukommen. Mit ihr verlässt man das eigentliche Projekt für einen Moment und zwingt das Gehirn zu einem Gedankensprung.

Schritt 1: Definiere dein Ziel

Wir bleiben bei unserem Beispiel, dass du einen spannenden Text aus dem großen Bereich »Heimat« schreibst . Dein Ziel ist also zuerst, ein spannendes Thema hierzu zu finden.

Schritt 2: Finde dein Reizwort

Verlasse nun gedanklich deine ursprüngliche Aufgabe und finde dein Reizwort. Für diese Übung kannst du einfach ein Buch oder eine Zeitung aufschlagen und das erste Substantiv, das dir in die Augen fällt, zum Reizwort erklären. Bei regelmäßiger Verwendung ist auch denkbar, eine Liste mit beliebig vielen, einfach Substantiven anzulegen und diese bei Bedarf aus deiner Schublade zu zaubern, blind auf einen Begriff zu zeigen und diesen als Reizwort zu verwenden. Für unseren Artikel hat uns der Duden das Wort »Postkutsche« vorgeschlagen.

Schritt 3: Umschreibe dein Reizwort

Schreibe nun alles auf, was dir zu diesem Begriff einfällt – denke daran, dass du dein ursprüngliches Thema verlassen hast. Du musst keinerlei Zusammenhang zur »Heimat« herstellen. Dir fällt folgendes ein:

  • wird von Pferden gezogen
  • altmodisch, wird heute nicht mehr benutzt
  • Briefe werden damit versendet
  • langsame Beförderung

Schritt 4: Kombiniere deine Fragestellung mit dem Reizwort

Kehre nun gedanklich zu deinem Thema zurück und bringe es mit dem soeben Aufgeschriebenen in Verbindung.

  • Pferde + Heimat = Erinnerungen an eine Ferienfreizeit auf dem Reiterhof
  • altmodisch + Heimat = die Faszination, die die Opas Schreibmaschine auf dich ausgeübt hat
  • Briefe + Heimat  = der Brief einer Tante, der bis heute besondere Bedeutung für dich hat
  • langsame Beförderung + Heimat = das Phänomen, dass Anfahrten zum Familienurlaub schier unendlich gedauert haben und einem heute klar wird, dass man nur zwei Stunden im Auto saß

Die Anwendung der Reizworthmethode wird dir immer leichter fallen, wenn du sie regelmäßig übst. Versuche sie also nicht nur bei Denkblockaden anzuwenden. Spiele regelmäßig im Alltag damit. Je mehr du dein Gehirn auf das Herstellen ungewöhnlicher Zusammenhänge trainierst, desto leichter fällt es dir, im Ernstfall darauf zurückzugreifen und Inspiration im Home Office zu finden.

Übung 4: Der Morphologische Kasten

Komplexerer Problemlagen können sehr gut mit dem Morphologischen Kasten bearbeitet werden. Er zerlegt das Projekt in seine Bestandteile und hilft uns, einen besseren Überblick zu bekommen. Als Ergebnis erhalten wir eine Tabelle gefüllt mit Möglichkeiten, die wir unterschiedlich miteinander kombinieren können.  Zur Veranschaulichung wählen wir ein neues Beispiel: Du sollst eine Feier zu einem Firmenjubiläum organisieren. In der Ausgestaltung hast du freie Hand.

Schritt 1: Parameter sammeln

In einem ersten Schritt sammelst du alle Dimensionen deiner Aufgabenstellung, die es zu bedenken gilt. Ich habe das im Folgenden sehr vereinfacht und nur zur Veranschaulichung dargestellt:

Parameter:                                          Ausprägung:

  1. Gästezahl
  2. Essen
  3. Veranstaltungsort
  4. Rahmenprogramm

Schritt 2: Möglichkeiten zur Ausgestaltung sammeln

Nun sammelst du alle Möglichkeiten, die dir zu den unterschiedlichen Parametern einfallen.

Parameter:                                          Ausprägung:

  1. Gästezahl                                        20, 50, 100
  2. Essen                                               Menü, Buffet, kein Essen
  3. Veranstaltungsort                         Firma, gemieteter Saal, Außenfläche
  4. Rahmenprogramm                       Musik, Vorträge, Spiele

Schritt 3: Möglichkeiten kombinieren

Du hast nun die Tabelle gefüllt und kannst beginnen, die unterschiedlichen Parameter zu kombinieren und eine erste Einschätzung und Bewertung vorzunehmen. Es könnte also eine Feier mit 50 Gästen in einem gemieteten Saal werden, als Rahmenprogramm gibt es Vorträge und ein Menü. Oder man lädt 100 Gäste ein, es gibt ein Buffet und Musik und die Feier findet draußen statt.

Der morphologische Kasten eignet sich immer dann hervorragend, wenn es weniger um die Erfindung neuer Ideen, als um die Kombination verschiedener Möglichkeiten geht.

Übung 5: Flip-Flop-Technik oder Kopfstand-Methode

Sind unsere Gedanken blockiert hilft es manchmal, sie auf den Kopf zu stellen. Wir bleiben beim letzten Beispiel des Firmenjubiläums. Anstatt zu überlegen, wie du ein erfolgreiches Event auf die Beine stellst, frage dich: Was muss ich tun, damit diese Veranstaltung zum absoluten Desaster wird? Sammle nun deine Ideen hierzu. Niemand weiß über die Feier Bescheid, wichtige Partner werden bei den Einladungen übergangen, Aufgaben werden nicht an Experten delegiert, Fristen werden versäumt, es gibt nichts zu Essen oder das Essen schmeckt nicht, etc.

Diese Überlegungen nennt man die Flip-Flop-Technik oder Kopfstandmethode. Ich rate dir zusätzlich, diese schriftlich in einer Tabelle zu sammeln – so kannst du dir als nächsten Schritt Gedanken darüber machen, was diese im Umkehrschluss für die Umsetzung eines erfolgreichen Projektes bedeuten und erhältst so einen Fahrplan für deine Vorgehensweise.

Zum Abschluss – doch noch ein paar Worte zu den Klassikern

Dass das klassische Brainstorming und Mindmapping bisher noch keine Erwähnung fand, liegt nicht daran, dass diese Methoden schlecht wären. Im Gegenteil: Du kannst sie wunderbar in die vorgestellten Methoden einfließen lassen!

Aber aufgepasst: Die meisten machen den Fehler, nur fünf bis zehn Minuten für die Übung anzusetzen. Um jedoch wirklich neue Inspiration im Home Office zu finden, ist es ratsam mehr Zeit dafür einzusetzen. Auf meinem InstagramProfil findest du dazu ein Reel zu einer weitere Methode: die Power Hour.

Denn die richtig originellen Ideen kommen erst dann, wenn alle naheliegenden Lösungen zu Papier gebracht sind. Versuche einmal, ein Brainstorming für ganze 30 Minuten durchzuziehen und haltet es im Zweifel auch aus, dass es einige Minuten ins Stocken gerät. Das Warten lohnt sich manchmal.

Verzweifelst du häufiger bei Denkblockaden und fragst dich, wie du deine Kreativität ganz individuell wieder ankurbeln kannst? Lass uns darüber sprechen! Vereinbare ein kostenfreies Erstgespräch.