Der Begriff „Emotionale Intelligenz“ wabert mittlerweile vollkommen selbstverständlich durch unseren Sprachgebrauch. Doch was verbirgt sich dahinter? Und inwiefern steuert emotionale Intelligenz deinen beruflichen Erfolg?

Erstmals tauchte ein Vorgänger der emotionalen Intelligenz in den 1920er Jahren auf, allerdings noch als soziale Intelligenz. In den 1990er Jahren war erstmals von der emotionalen Intelligenz die Rede. Zuerst, nur von Fachpublikum beachtet, durch eine Veröffentlichung der Psychologen Mayer und Salovay. Einige Jahre später veröffentlichte der Wissenschaftsjournalist Goleman ein Buch mit dem Titel „Emotional Intelligence“, das in der breiten Masse große Aufmerksamkeit erhielt.

Die emotionale Intelligenz, abgekürzt mit EI oder EQ, ist dabei als Konstrukt durchaus nicht unumstritten. Die Kritiker stoßen sich dabei hauptsächlich an der Bezeichnung als „Intelligenz“. Der Begriff sei in diesem Zusammenhang „irreführend und unnötig“, da es sich mehr um Fähigkeiten handle als um ein Persönlichkeitsmerkmal. Die Verfechter hingegen verteidigen sie, führen ihrerseits die Validität ihrer Tests an und werfen empirische Studien ins Rennen. Sie merken an, dass es ihnen nicht darum gehe, den klassischen Intelligenzbegriff zu ersetzen, sondern dass es sich lediglich um eine Ergänzung handle. 

Doch ganz gleich, ob man den EQ nun als einen Teil der Intelligenz begreift oder nicht: Er vereinigt in seiner Definition ein Bündel von Stärken und Eigenschaften, die sowohl unserem beruflichen Fortkommen, als auch unserem psychischen und körperlichen Wohlbefinden zuträglich ist. 

Inwiefern macht uns eine hohe emotionale Intelligenz erfolgreicher? 

Eine interessante Studie der Universitäten Bonn und Heidelberg fand heraus, dass eine hoher EQ an sich kein Marker für beruflichen Erfolg ist. Das liege allerdings nur daran, dass nicht jeder emotional intelligente Mensch Interesse an beruflichem Aufstieg habe.

Strebt ein Mensch nach Karrierefortschritten, so ist die emotionale Intelligenz beim Erreichen dieses Ziels förderlich. Menschen mit einem hohen EQ erhielten ein höheres Gehalt und nahmen verantwortungsvollere Positionen ein als Menschen mit einem geringeren EQ und vergleichbaren Karriereambitionen. Zusammengefasst heißt das also: Wenn du nach beruflichem Aufstieg strebst, ist die emotionale Intelligenz hilfreich.

Oftmals wird die These vertreten, dass in unserer heutigen Arbeitswelt der EQ sogar die deutlich größere Rolle spiele als die klassische Intelligenz, die lediglich kognitive Fähigkeiten und Wissen umfasst. Das ist einleuchtend, wenn wir die fünf Merkmale der emotionalen Intelligenz betrachten, die sie nach Goleman charakterisieren:

1. Selbstwahrnehmung

2. Selbstmanagement

3. Motivation

5. Empathie 

6. Soziale Kompetenz

Diese Elemente lassen uns besser greifen, was emotionale Intelligenz bedeutet. Sie meint die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die anderer wahrnehmen und verstehen zu können, sich dementsprechend zu verhalten und mit Menschen in Beziehung zu treten. Sie steht für einen achtsamen Umgang mit sich selbst und anderen, das Talent, Netzwerke zu bilden und um Sympathien zu werben.

So zerpflückt wird verständlicher, weshalb unsere emotionale Intelligenz entscheidend für unseren beruflichen Erfolg ist. Sie vereinigt in sich mehrere Kernkompetenzen, die in nahezu allen Berufsfeldern förderlich sind.

Bin ich emotional intelligent?

Im Internet finden sich zahlreiche Selbsttests, die die emotionale Intelligenz messen sollen. Ich würde raten, diese lediglich als Anstoß zur Auseinandersetzung mit sich selbst zu nutzen. Denn selbst in der Wissenschaft ist man sich uneins, wie eine Messung der emotionalen Intelligenz, die oftmals auch eine subjektive Färbung hat, vonstatten gehen kann. Durchgesetzt hat sich im deutschsprachigen Raum das Emotional Intelligence Inventar (IE4), das verschiedene Fragen zum Erkennen, Benennen, Wahrnehmen und Regulieren von Emotionen stellt. Doch auch, wenn du für dich selbst verschiedene Fragestellungen beantwortest, bekommst du eine Idee von deiner emotionalen Intelligenz:

  • Kannst du deine eigenen Gefühle wahrnehmen?
  • Fällt es dir leicht, Gefühle klar zu äußern?
  • Kannst du dich gut in andere hineinversetzen?
  • Bist du ein guter Zuhörer?
  • Bist du in Gesprächen und Diskussionen aktiv involviert?
  • Kannst du andere motivieren und begeistern?
  • Wie gut bist du darin, deine Meinung angemessen zu vertreten?
  • Hast du ein gutes „Bauchgefühl“? Bist du entscheidungsfreudig?
  • Hast du ein Gespür dafür, wie sich die Menschen in deiner Umgebung fühlen?
  • Suchen andere Rat bei dir? Bist du häufiger in einer Vermittlerrolle?
  • Kannst du deine Gefühle regulieren? Oder bist du ihnen hilflos ausgeliefert?
  • Kennst du deine individuellen Grenzen und kannst diese wahren?
  • Denkst du, du kannst dich anderen gegenüber durchsetzen?

Wie du hier bereits erkennen kannst, hat emotionale Intelligenz in einem ersten Schritt viel mit Achtsamkeit zu tun – gegenüber sich und anderen. Denn nur, wer seine eigenen Gefühle kennt und sich mit seiner Umwelt auseinandersetzt, kann sich dementsprechend verhalten. Möchte man das volle Repertoire seines EQ ausschöpfen, sind Bewusstheit, sich selbst nahe und seiner Umwelt gegenüber offen zu sein, Grundvoraussetzungen.

Kann ich meine emotionale Intelligenz steigern? 

Goleman geht davon aus, dass unser EQ wandelbar ist und unabhängig vom Lebensalter trainiert werden kann. Betrachten wir die einzelnen Merkmale der emotionalen Intelligenz – Selbstwahrnehmung, Selbstmanagement, Motivation, Empathie, Soziale Kompetenz – bekommen wir bereits eine Ahnung davon, auf welchen Ebenen eine Verbesserung ansetzen kann. Ich möchte dir fünf Ideen mitgeben, wie du deine emotionale Intelligenz im Alltag trainieren kannst. 

Idee eins: Selbstbewusstheit durch Achtsamkeit

Nur, wer sich seiner eigenen Gefühle bewusst ist kann lernen, mit ihnen umzugehen und sich ihnen entsprechend zu verhalten. Am Anfang steht also in jedem Fall ein achtsamer Umgang mit sich selbst. Achtsamkeit ist keine Übung, die zu irgendeinem Zeitpunkt abgeschlossen ist. Es ist eher eine Haltung. Zu Beginn bewusst praktiziert, automatisiert sich der achtsame Umgang mit sich selbst und fließt automatisch in die Gedankenwelt ein.

Nimm dir für den Anfang einige Minuten am Abend Zeit, um deine Stimmung zu reflektieren. Wie ging es dir heute im Verlauf des Tages? Wie geht es dir jetzt? Oder zähle auf, mit welchen Gefühlen du dich heute konfrontiert gesehen hast. Worüber hast du dich gefreut? Was hat dich wütend gemacht? Was traurig? Haben deine Reaktionen zu deinen Emotionen gepasst? Konntest du sie im jeweiligen Moment überhaupt wahrnehmen?

Versuche, deine Gefühle möglichst genau zu differenzieren und auch feine Nuancen zu spüren. Mit der Zeit kannst du die Frequenz deiner „Achtsamkeitspausen“ erhöhen und vielleicht auch in der Mittagspause einen Moment innehalten, um deine Stimmung zu hinterfragen oder auch nur bewusst wahrzunehmen, womit du dich gerade beschäftigst.

Idee zwei: Stressregulation durch Atmung

Wer gestresst, ängstlich oder wütend ist, neigt zu vorschnellen und unüberlegten Handlungen. Nach Golemans Konzept ist das Management bzw. die Regulation unserer Gefühle ein entscheidender Faktor für unsere emotionale Intelligenz. Was können wir dagegen tun, wenn unsere Emotionen außer Kontrolle geraten?

Es klingt so einfach: Atme. Besonders, wenn wir gestresst sind, wird unser Atem kurz und flach, was unsere Anspannung zusätzlich erhöht. Umgekehrt lässt sich Stress jedoch auch regulieren, indem wir unsere Atmung entschleunigen und unter der Anwendung verschiedener Atemtechniken bewusst in den Bauch atmen.

Für Ungeübte eignet sich zum Beispiel die 4-7-8-Methode nach Dr. Andrew Weil: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden die Luft anhalten, 8 Sekunden tief ausatmen. Schon vier Durchgänge sollen dabei helfen entspannter zu werden. Für diejenigen, die dauerhaft unter Anspannung stehen, sind intensivere Methoden wie zum Beispiel Autogenes Trainingempfehlenswert, um die Atmung langfristig wieder zu regulieren.

Idee drei: Überzeugungskraft stärken

Bist du jemand, der andere leicht mitreißen und motivieren kann? Oder hast du eher das Gefühl, dass du häufig deine Wünsche zu Gunsten deines Gegenübers zurückstellst? Die Fähigkeit, sich selbst und andere motivieren zu können, ist eine Mischung aus einer wachsamen Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse, dem Erkennen der Wünsche unserer Mitmenschen und sympathischen und selbstsicheren Auftreten. Wenn es dir schwer fällt deine Interessen durchzusetzen, beginne diese Fähigkeit im Privaten zu üben. Welche Unternehmung wolltest du schon lange in die Tat umsetzen, hast aber darauf verzichtet, weil deine Freunde weniger Lust darauf haben?

Teste deine Überzeugungsstärke und probiere aus, wie du deine Freunde auf liebenswerte Weise umstimmen kannst. Überlege dabei eher, welcher Aspekt der Unternehmung euch allen Spaß machen könnte, als die anderen „zu ihrem Glück zu zwingen“. Sei bereit für Kompromisse, ohne dich zu schnell abwimmeln zu lassen. Lass deinen Charme spielen und bewahre bei der Übung eine gewisse Leichtigkeit – es geht gar nicht zwingend um die Unternehmung, sondern darum, dich selbst auszuprobieren und dich zu trauen, mit den eigenen Bedürfnissen nicht hinterm Berg zu halten.

Idee vier: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Manchmal tun wir gut darin, uns selbst zum Schweigen zu verdonnern. Diese Strategie richtet sich vor allem an diejenigen, die sich selbst häufig beim Plappern ertappen und erst im Nachhinein merken, dass sie 90 Prozent des Dialoges alleine bestritten haben.

Versuche einmal bewusst, dich in einem Gespräch zurückzunehmen und die ungewohnte Stille auszuhalten. Damit kannst du auch probieren, leiseren Menschen zuzuhören, auf die Zwischentöne zu achten und auf ihre Körpersprache. Versuche dich einmal ganz bewusst auf dein Gegenüber zu konzentrieren. Auch wenn du dich in einer Führungsposition befindest, kann dieser Gedanke wertvoll sein: Führung heißt nicht nur den Ton anzugeben. Es bedeutet auch zurückhaltendere Menschen mit ins Boot zu holen und zur aktiven Mitwirkung zu ermuntern.

Idee fünf: Übe dich im Small-Talk

Die kleinen Alltagsgespräche eignen sich wunderbar, um deine Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Meist führen wir Small-Talk mit uns eher oberflächlich bekannten Menschen. Die Kunst ist also, mit denjenigen überhaupt in Kommunikation zu treten, ein Gespräch am Laufen zu halten und es zu beenden, bevor es unangenehm wird. Das will geübt sein!

Versuche einmal bewusst eine Woche lang auf deine Alltagsgespräche zu achten. Geht die Initiative von dir aus? Sind die Gesprächsanteile ausgeglichen? Hast du zugehört? Hast du auch etwas zu sagen gehabt? Neigst du vielleicht dazu, zu distanziert oder zu privat zu sein? Oder andere nicht ausreden zu lassen? Schau dir deine Gesprächsgewohnheiten einmal genauer an und entscheide, was du daran verändern möchtest, ohne an Authentizität einzubüßen.

Letztendlich geht es bei allen Übungen und Ideen darum, eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren und spielerisch mit den eigenen Kompetenzen umzugehen. Ich bin davon überzeugt, dass in uns allen die Fähigkeit schlummert, emotional intelligent zu handeln. Manchmal braucht unsere innere Stimme lediglich ein wenig Ruhe und ein offenes Ohr, damit wir sie auch hören können.

Hast du den Wunsch, deine emotionale Intelligenz zu verbessern und suchst nach Ideen? Dann vereinbare gerne ein kostenloses Erstgespräch und lass uns darüber sprechen!