So manches Missgeschick, mancher Fehler aus der Geschichte hat zu großen Entdeckungen geführt: das Penicillin, der Herzschrittmacher, Viagra, die Mikrowelle. Thomas Alva Edison hat erst nach dem 9.000 misslungenen Test die Glühbirne zum Laufen gebracht. Nach etwa 1.000 Versuchen auf sein Scheitern angesprochen soll er gesagt haben:

 

Edison glaubte an seine Vision und hatte begriffen, dass jeder Fehlversuch ihn näher an sein Ziel bringt. Er brachte die nötige Selbstsicherheit und Beharrlichkeit mit, um trotz Rückschlägen zum Erfolg zu kommen.

Bei Misserfolgen das Selbstbewusstsein von Edison an den Tag zu legen, fällt wohl den meisten von uns schwer. Stattdessen sind wir bemüht, Fehler zu vermeiden und sind beschämt, wenn uns doch einer passiert. Fehler werden als Scheitern interpretiert. Schon zu Schulzeiten wurden nur die richtige Antwort honoriert. Bei falschen gab es schlechte Noten oder wir wurden an der Tafel vor 30 Mitschülern korrigiert. So prägt sich ein: Fehler zu machen ist etwas Peinliches, Demütigendes.

Dabei erinnert uns schon der Volksmund daran, dass man aus Fehlern klug wird. Wer sich offenen Auges mit seinen Fehlern befasst anstatt sie aus Angst oder Unsicherheit unter den Teppich zu kehren, dem können sie echte Sprungbretter auf dem Weg zum Ziel sein. 

Was habe ich davon, mich mit einem Fehler auseinanderzusetzen? 

Ein offener Umgang mit Schwächen und Missgeschicken hat sowohl auf dich persönlich, als auch auf andere und deine Arbeit positive Auswirkungen. Wenn wir Fehler positiver bewerten, vermeiden wir schwerwiegendere Fehlerketten, die durch Vertuschung oder fehlende Kommunikation entstehen können.

Außerdem übersiehst du vielleicht, dass dein Fehler gar kein Fehler ist, wenn du aus Angst vor ihm sofort in Habachtstellung gehst. Manch ein Malheur erweist sich im Nachhinein als große Errungenschaft, unentdeckte Möglichkeit oder auch nur als eine Lücke im System. Nicht jeder Fehler ist automatisch dein Versagen.

Wer aus einem Fehlversuch eine funktionierende Lösung entwickelt, behält diesen Lernprozess zudem nachhaltiger im Gedächtnis.

Für deine persönliche Entwicklung hält die offene Kommunikation über Fehler eine Möglichkeit zu mehr Authentizität und Selbstsicherheit bereit. Niemand ist perfekt. Wer sich dessen bewusst ist, wird mutiger und traut sich, die Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. 

Nichtsdestotrotz: Durch unsere Prägung und das negative Image sind Fehler alles andere als beliebt und so manch einer fürchtet sich sogar davor.

Woher kommt meine Angst vor Fehlern? 

Ist sie durch die Strukturen deines Unternehmens hervorgerufen oder erlaubst du dir selbst keine Fehltritte?

An einer mangelnden Fehlertoleranzkultur deines Arbeitgebers kannst du nur schwerlich etwas ändern. Wenn der Druck durch unrealistische Erwartungen zu hoch ist, stellt sich eher die Frage, ob du dich diesem Arbeitsklima langfristig aussetzen willst.

 

Wenn absolute Perfektion jedoch dein persönlicher Anspruch ist, hilft es dir vielleicht, deine Angst vor Fehlern zu hinterfragen und sie einem Realitätscheck zu unterziehen. Worin besteht deine Angst? Liegt sie darin begründet, die Erwartungen anderer oder deine eigenen nicht enttäuschen zu wollen? Fürchtest du dich vor Kritik? Vor dem Verlust deiner Selbstachtung? Setzt du jeden Fehler mit einem Scheitern gleich? Sind diese Ängste begründet? Inwiefern beeinflusst deine Angst vor Fehlern deine Arbeitsweise?

Kann ich in meinem Berufsalltag offen mit einem Fehler umgehen? 

Makel und Unzulänglichkeiten zuzugeben ist im Job besonders schwer. Dabei hemmt uns diese Unsicherheit erst recht. Denn wer sich nicht traut Fehler zu machen, geht weniger Risiken ein und probiert nichts Neues aus. Und wer immer den sichersten Weg einschlägt, lässt keinen Raum für Entwicklung und Innovation zu. 

 

Man kann beobachten, wie einige Unternehmen Veränderungen in ihrer Fehlertoleranzkultur zulassen. Während in vielen Köpfen lange Zeit der Gedanke vorherrschte, dass ein Projekt immer reibungslos vonstatten gehen muss, nimmt der Umgang mit Fehlern zum Beispiel beim sogenannten agilen Arbeiten einen festen Platz ein. Sie werden als Bestandteil des Prozesses verstanden und sind eine Einladung zur Weiterentwicklung. Durch regelmäßigen Austausch und Feedback werden Irrwege frühzeitig erkannt, benannt und ihre Ursachen erforscht. Dadurch entsteht eine echte Chance, aus Fehlern zu lernen, ohne dass sie allzu großen Schaden anrichten können.

5 Schritte vom Fehler zur Weiterentwicklung

Für die Weiterentwicklung ist eine offene Atmosphäre und die Toleranz unseres Umfeldes gegenüber Fehlern eine Grundvoraussetzung. Eine weitere ist die Selbstreflexion und eine ehrliche, wertneutrale Analyse der Situation. Sie beleuchtet verschiedene Perspektiven von der Entstehung des Fehlers bis zu dessen Lösung und Prävention. Ich möchte euch im folgenden eine Möglichkeit aufzeigen, wie ihr in fünf Schritten eine Auseinandersetzung mit einem entdeckten Fehler anstoßen könnt:

  1. Schritt: Die Einsicht

Nur wer einen Fehler erkennt und sich das eigene Missgeschick zugesteht, ist in der Lage aus seinen Fehlern zu lernen. Dazu gehört natürlich eine große Portion Selbstbewusstsein und Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Tun.

  1. Schritt: Die Beschreibung

Woraus genau besteht der Fehler? Betrachte ihn von allen Seiten und versuche, ihn möglichst klar zu benennen. Hier hast du vielleicht schon eine Idee, ob der Fehler in deinem Handeln begründet liegt oder ob der Auslöser einen anderen Ursprung hat.

  1. Schritt: Die Ursachenforschung

Wie kam der Fehler zustande?  Betrachte dabei alle Faktoren, ohne dabei in Schuldfragen abzurutschen. Es geht nicht darum, den Ver-Ursacher zu kritisieren, sondern die Ursache ausfindig zu machen. Welche Gründe liegen im Projekt selbst? Welche bei dir? Welche in den äußeren Gegebenheiten oder im System?

  1. Schritt: Die Korrektur

Wie kannst du deinen Fehler so effizient wie möglich ausbessern? Wichtig hierbei: Ausbessern bedeutet NICHT Vertuschung. Zögere nicht, dir Hilfe zu holen, wenn du ratlos bist. Besonders dann, wenn dir der Fehler besonders nahe geht und du dich in einer Schockstarre befindest, wirst du vielleicht keine konstruktive Lösung finden. Frage jemanden um Rat, dem du vertraust, um nicht alleine in sinnlose Grübeleien zu verfallen.

  1. Schritt: Die Prävention

Dieser Schritt zielt darauf ab, nachhaltige Lernprozesse zu erzielen. Welche Schlüsse ziehst du aus deinen Erkenntnissen? War zum Beispiel Müdigkeit der Grund für deinen Fehler? Überdenke deinen Schlafrhythmus. Wirst du zu häufig abgelenkt? Versuche, digitale Störfaktoren zu reduzieren. War die Aufgabenstellung nicht klar? Frage nach und präzisiere sie. Fehlen dir Ressourcen, Werkzeug oder Wissen zur Umsetzung der Aufgabe? Kläre, ob eine Beschaffung möglich ist.

Wenn du aus den diesen Überlegungen Konsequenzen ziehst, war dein Fehler eine echte Bereicherung – sowohl für dich, als auch für dein Projekt.

Das Unangenehme meistern: Einen Fehler zugeben

Die Auseinandersetzung mit sich selbst kann schon unangenehm sein, doch seinen Fehler auch vor anderen einzugestehen und seine Entschuldigung so aufrichtig vorzubringen, dass sie vom Gegenüber auch angenommen wird, ist eine echte Kunst. 2016 hat sich eine Studie der Ohio State University eingehend mit dem Thema befasst, wie eine „erfolgversprechende“ Entschuldigung aussehen sollte und hat folgende sechs Elemente benannt:

  • Einen Ausdruck des Bedauerns
  • Eine Erklärung von dem, was falsch gelaufen ist
  • Eine Übernahme der Verantwortung
  • Ein Ausdruck der Reue
  • Das Angebot einer Wiedergutmachung
  • Die Bitte um Verzeihung

Dabei wird eine Entschuldigung um so häufiger angenommen, je mehr Komponenten sie enthält. Nicht jedes Element scheint dabei die gleiche Wichtigkeit für eine „gute“ Entschuldigung zu haben. Am wichtigsten ist es, die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und eine angemessene Wiedergutmachung anzubieten. Doch auch wer übers Ziel hinaus schießt, sich zu häufig entschuldigt, übertrieben devot zeigt oder unverhältnismäßig große Entschädigungsversprechen macht, ruft eher Skepsis als den Willen zur Vergebung hervor.

Daher: Bleibe ehrlich und authentisch, entschuldige dich einmal, erkläre, wie es zu dem Fehler kam und habe wenn möglich Lösungsangebote parat. Einen großen Teil der Vorarbeit hast du bereits gemacht, wenn du dir selbst den Fehler eingestanden und dich damit auseinandergesetzt hast.

Unbekannte Prozesse anzustoßen, das ist, wie eine neue Route ohne Navigationssystem auszuprobieren. Du kennst vielleicht die grobe Richtung, aber die kürzeste Verbindung zum Ziel kannst du nicht kennen. Irren ist menschlich. Und vielleicht führt dich ein Umweg an Orte, die du auf der Autobahn nicht entdeckt hättest?

Hast du an Fehlern zu knabbern und fällt es dir schwer, sie dir und anderen einzugestehen? Vereinbare gerne ein kostenloses Erstgespräch, damit wir aus deinen Fehltritten Chancen und Learning herausarbeiten. Mit einer neuen Perspektive verändert sich auch dein Umgang mit Fehlern.