Die Welt steht nicht still, bis wir für eine Veränderung bereit sind. Sie befindet sich im ständigen Wandel, überrascht uns, stellt unsere Pläne auf den Kopf und konfrontiert und mit Unsicherheiten. 

Unsere berufliche Realität ist schon länger durch Globalisierung und Digitalisierung großen Schwankungen unterworfen. Doch durch die extremen Ereignisse der letzten beiden Jahre – zuerst die Pandemie, nun der Ukraine-Konflikt – erfahren wir nun noch deutlicher, was mit dem Akronym der VUCA-Welt gemeint ist. 

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Alle Dinge sind im ewigen Fluss, im Werden, ihr Beharren ist nur Schein.“

Heraklit

Der Begriff entstand Mitte der 90er Jahre mit dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems. Nach dem Ende des kalten Krieges wurde die wirtschaftliche Ordnung einmal komplett auf den Kopf gestellt. Politische Zusammenhänge wurden komplexer und vielschichtiger und die Märkte und Finanzströme änderten sich. Die Merkmale dieser neuen Welt und die entstandenen Schwierigkeiten in der Unternehmensführung wurden vom United States Army War College damals in dem Begriff VUCA zusammengefasst. Heute ist das, wofür er steht, aktueller denn je – und VUCA steht mehr als nur dafür zu wissen wie wir mit Unsicherheiten umgehen können: 

Volatility – Volatilität

Die Verfügbarkeit digitaler Medien beschleunigt den Informationsfluss. Neuerungen und Wissen werden schneller verbreitet und in der Folge auch weiterentwickelt – so ist das, was heute gängige Praxis ist, morgen vielleicht schon wieder veraltet. 

Uncertainty – Unsicherheit 

Die beiden vorangegangenen Jahre mit der Covid-19-Pandemie sind ein gutes Beispiel hierfür.  Selten waren wir mit der Unsicherheit unserer Welt so sehr konfrontiert wie seit dem März 2020, wo wir uns nahezu wöchentlich auf neue Konzepte einstellen mussten und unser aller Berufswelt massiv beeinflusst war. Unsere Arbeitsbedingungen wurden dadurch nachhaltig verändert. Für viele von uns war die Frage alltäglich, ob sie nächste Woche überhaupt wieder Zugang zu ihren Büroräumlichkeiten haben werden und inwiefern ihr Business die Einschränkungen finanziell überleben kann. Zudem änderte sich die Nachfrage massiv und dementsprechend entstanden neue Märkte. Andere wiederum wurden unnötig. Wie lange dieser Zustand anhalten würde und welche Art von Wandel dieser Zustand noch nach sich ziehen soll, war und ist ebenfalls nicht klar. 

Complexity – Komplexität 

Um es in Gänze erfassen zu können, ist das Leben sehr vielschichtig geworden. Selbst, wenn wir uns auf unsere Branche beschränken und Spezialisten auf unserem Gebiet werden, ist es durch das breite Informationsangebot unmöglich, alles lückenlos aufzusaugen. Wir werden also mit unseren eigenen (Wissens-)Grenzen konfrontiert und müssen damit leben, nur einen Bruchteil des zur Verfügung stehenden Wissens nutzen zu können. 

Ambiguity – Mehrdeutigkeit

Unsere Realität lässt sich nicht in schwarz oder weiß unterteilen, nicht in gut oder böse, richtig oder falsch. Auch hier hat Globalisierung und Digitalisierung einen entscheidenden Einfluss. Wir sind in der Lage, unterschiedliche Perspektiven anzuhören und sie abzuwägen. Das ist ein großer Gewinn, weil es ein ganzheitliches Denken ermöglicht, erschwert uns aber auch das Treffen von Entscheidungen. 

Mit dem Leben in der VUCA-Welt sind wir gezwungen, uns mit einem agilen Mindset flexibel auf unterschiedlichste Entwicklungen einzustellen und unser Arbeiten darauf anzupassen. Wir können uns als Opfer dieser Umstände empfinden, denn gegen den Wandel an sich können wir nichts tun. Oder wir lernen, uns auf diese Bedingungen einzustellen, Veränderungen als Teil der modernen Arbeitswelt zu begreifen und das Steuer in die Hand nehmen.

Wie können wir professionell auf VUCA reagieren? 

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen.“

Chinesische Weisheit

In uns allen steckt ein kleines Gewohnheitstier. Manch einer versucht es eher zu ignorieren, andere wiederum haben es sehr lieb gewonnen. Ein gewisses Maß an Sicherheitsbedürfnis ist jedoch kaum einem von uns fremd. Wir pflegen Routinen, haben Pläne und sind irritiert, wenn sich diese aufgrund unvorhergesehener Ereignisse nicht verwirklichen lassen. Doch wie finden wir Sicherheit in einer Welt, die durch Unsicherheit und Flüchtigkeit geprägt ist?

Eine Antwort bekommen wir, wenn wir VUCA aus einer anderen Perspektive betrachten: aus einer optimistischen, stärkenden. 

Visions and Values – Sich seiner Ziele und Werte bewusst sein

Finde heraus, was dir wichtig ist und wofür du stehst, was du auf der Welt hinterlassen möchtest und inwiefern sich diese Vorstellungen mit deinem Berufsleben vereinbaren lassen. Klare Visionen und Wertvorstellungen lassen Unsicherheiten von außen weniger bedrohlich erscheinen. 

Understanding – Verständnis haben 

Verstehen wir den Sinn hinter aktuellen Entwicklungen, fällt es uns leichter, diese anzunehmen. Dabei hilft uns eine starke emotionale Intelligenz und unser soziales und berufliches Netzwerk. Die Kommunikation mit Anderen lässt uns verschiedene Perspektiven erfassen. Gemeinsam den Sinn hinter beunruhigendem Wandel zu entdecken, kann zusätzlich stützend wirken und uns zu kreativen Lösungsstrategien anregen.

Clarity – Klarheit leben 

In Zeiten, die durch überbordende Reize und Möglichkeiten zur Ablenkung geprägt sind, profitieren wir von Klarheit. Besonders in führenden Positionen geben wir anderen (und uns selbst) Orientierung, indem wir transparent und präzise kommunizieren und greifbare Vorstellungen präsentieren, denen andere folgen können. 

Agility – Flexibel bleiben

Wir können es uns in unruhigen Phasen nicht erlauben, auf alten, bewährten Methoden zu verharren. Wir brauchen Kreativität, die Bereitschaft zu Innovation und ein offenes, wachstumsorientiertes Mindset, um uns schnell an Veränderungen anpassen zu können. 

Indem wir diese VUCA-Qualitäten trainieren und steigern, kommen wir gelassener mit der Komplexität unserer neuen beruflichen Welt zurecht.

Wir alle sind mit den Auswirkungen der VUCA Welt konfrontiert. Wir dürfen uns deshalb alle immer wieder neu erfinden und positionieren. Die positive Sicht auf die VUCA-Qualitäten hilft meinen Coachee und mir in ihrem beruflichen Veränderungsprozess – egal ob in der Neu- oder Umorientierung oder dem Wechsel auf die nächste Führungsebene – eine berufliche Balance zu finden und zu erhalten. Selbst im schlimmsten VUCA-Tornado.

Meine fünf Leitsätze, um mit Unsicherheiten umzugehen und den Wandel zu meistern

Hast Du nach innen das Mögliche getan,

gestaltet sich das Äußere von selbst.“

Johann Wolfgang von Goethe

Meine Werte sind mein Gerüst. 

Finde Sicherheit in der Unsicherheit – das ist für mich dadurch möglich, dass ich meine eigenen Werte kenne. Meine eigenen Werte zu kennen und sie als Basis meines beruflichen Handelns zu verstehen, bietet mir enorme Sicherheit.  Denn durch welche Erschütterung meine berufliche Situation auch ins Wanken gebracht wird, weiß ich, dass sie meine Grundmauern nicht zum Einsturz bringt. Weißt du, wofür du stehst? Welcher moralische Kodex oder welche Wünsche und Bedürfnisse hinter deinem beruflichen Handeln stehen? Was ist dir am allerwichtigsten? Diese Fragen für mich beantworten zu können, ist meine Sicherheit – eine, die aus mir selbst heraus entsteht und unabhängig vom Außen ist.

Meine Ziele weisen die Richtung. 

Ich weiß, wohin ich gehen will und habe einen Plan – aber er ist nicht in Stein gemeißelt. Mir ist bewusst, dass wir uns in einer flüchtigen Welt befinden und stelle mich darauf ein, meinen Weg zu gehen. In der Regel ist der vorher nicht zu 100% bekannt oder verändert sich auf dem Weg. Diese Offenheit für die Möglichkeiten, die sich auf dem Weg ergeben, ist nur möglich, da ich genau weiß, was mein Leitstern ist. 

Soziale Netzwerke stützen mich. 

Ich habe mich von dem Gedanken verabschiedet, meine Ziele allein erreichen zu müssen. Im Verlauf meiner Berufsjahre habe ich Netzwerke gebildet, von denen ich gleichermaßen profitieren als auch zurückgeben kann. Ich habe Menschen um mich, auf die ich mich verlassen kann und denen ich eine Stütze bin, sowohl privat, als auch beruflich. Gleichzeitig habe ich mich von Menschen verabschiedet, die mir Energie rauben und mir schaden. Auf welche Menschen in deinem Umfeld kannst du dich zu hundert Prozent verlassen? Gibt es welche, die dich zurückhalten? Und wenn ja, was hält dich davon ab, dich von ihnen zu lösen? 

Empathie lässt mich Zusammenhänge verstehen.

Wandel ist unvermeidlich. Manchmal kann ich ihn besser akzeptieren, indem ich verschiedene Perspektiven einnehme und die Zusammenhänge verstehe. Indem ich das Wie und Warum hinterfrage, kann ich die Notwendigkeit für Veränderung annehmen und innere Widerstände überwinden. Das bedeutet für mich allerdings auch hinzuhören und hinzuschauen. Das gelingt mir dann, wenn ich mir den Raum und die Zeit schenke, sowohl in den Austausch mit anderen Menschen zu gehen als auch mir Zeit für mich selbst zu nehmen und meiner eigenen inneren Stimme zuzuhören. 

Mut ermöglicht Wachstum und Fortschritt.

Ganz klar – auch ich habe meine Komfortzone und freue mich nicht über jede unvermeidliche Veränderung. Doch wenn ich meine Vergangenheit betrachte, weiß ich, dass ein Sprung ins Ungewisse manchmal genau das Richtige für mich war. Manchmal müssen wir über unseren eigenen Schatten springen und uns etwas trauen – nur so entsteht Fortschritt. Nur so wachsen wir. Nur so entwickeln wir uns in eine Richtung, die wir uns selbst vielleicht gar nicht zugetraut hätten. 

Zweifelsfrei stellt uns die VUCA-Welt vor zahlreiche Herausforderungen. Die Schnelllebigkeit unseres beruflichen Umfeldes erlaubt uns häufig kein gemächliches Herantasten an das Neue, sondern erfordert sofortige Reaktion und Anpassung. Wir müssen uns mit technischer Innovation auseinandersetzen, den Markt und die Wünsche unserer Zielgruppe kennen, auf die Auswirkungen der Globalisierung gefasst sein und unsere Kompetenzen und Fähigkeiten ständig erweitern. 

Doch in der VUCA-Welt steckt auch eine Menge Potential, denn: keine Lösung scheint mehr unmöglich! Wir dürfen ruhig unkonventionell und kreativ sein, können uns ausprobieren und neue Arbeits- und Lebenskonzepte entwerfen und unbekannte Wege einschlagen. Und bleibt es nicht so besonders spannend? 

Wie sieht dein Umgang mit der VUCA-Welt aus? Stürzt du dich mit Freude auf jede neue Herausforderung? Oder bist du eher ängstlich und beunruhigt? Lass uns gerne an deinen Erfahrungen und Strategien teilhaben oder melde dich bei mir zum unverbindliches Erstgespräch, um über deine Unsicherheiten und Schwierigkeiten zu sprechen und sie zu überwinden. 

Ich freue mich auf dich, 

Deine Lena