Prokrastination – die unbeliebte Aufschieberitis. In diesem Blogartikel (Teil 1) teile ich mit dir die sechs Gründe, warum du Aufgaben aufschiebst und sie ewig hinauszögerst. Wir kennen sie alle: die sogenannte Prokrastionation, im deutschen auch Aufschieberitis genannt. Über den wahren Grund der Prokrastination wirst du gleich erstaunt sein. Es liegt nämlich nicht daran, dass wir „faul“ sind oder keine Disziplin haben.

Der Wissenschaft zufolge lässt sich Prokrastination auf ganz andere Gründe zurückführen. In diesem Blogartikel teile ich mit dir, welche Gründe das sind und wo deine Prokrastination herkommen könnte.

In Teil 2 zum Thema Prokrastination verrate ich dir Strategien und Tools, die du sofort umsetzen kannst, um deiner Aufschieberitis endlich den Rücken zu kehren.

Was ist Prokrastination überhaupt?

Du hast das sicherlich auch schon erlebt: Eine Aufgabe, auf die so gar keine Lust hast. Du weißt genau, eigentlich müsstest du sie machen, aber du drückst dich davor, schiebst die Aufgabe auf oder zögerst die Erledigung künstlich heraus. Ein klarer Fall von Prokrastination.

Prokrastination leitet sich vom lateinischen Substantiv procrastinatio ab, das „Aufschub“, „Vertagung“ bedeutet. Es ist zusammengesetzt aus dem Präfix pro- bedeutet „vor-„, vorwärts-“ und dem Substantiv crastinum,-i bedeutet „morgiger Tag“; vgl. das Adverb cras = „morgen“.

Viele unter uns, die sich immer wieder in der Falle der Aufschieberitis wiederfinden, denken, dass das Prokrastinieren etwas mit mangelndem Selbstmanagement zu tun hat. Vielleicht kennst auch du den Gedanken oder die kritische innere Stimme, die dein Verhalten auf ein mangelndes Zeitmanagement zurückführt. Sie sagt, dass du die Dinge nicht im Griff hast oder eben deine Aufgaben nicht richtig priorisierst.

Das sagt die Wissenschaft dazu

Wenn wir uns allerdings wissenschaftliche Studien anschauen, dann wird schnell deutlich: Prokrastionation hat vielmehr damit zu tun wie wir mit unseren eigenen Emotionen umgehen. Das heißt, um Prokrastination zu verstehen, dürfen wir uns mit uns selbst auseinandersetzen. Das bedeutet, zu reflektieren und zu lernen, zu verstehen wie wir als Mensch gestrickt sind.

Ganz einfach gesprochen, ist unser Hirn in zwei Systeme unterteilt, die Information verarbeiten und Situationen bewerten.

Das ist zum einen der Verstand und nach dem Hirnforscher Gerhard Roth, unser unbewusst arbeitendes, emotionales Erfahrungsgedächtnis.

Die beiden Systeme arbeiten unterschiedlich und deshalb haben wir häufig Schwierigkeiten, beide miteinander zu synchronisieren.

Der Hauptunterschied, der es schwierig macht, ist die Tatsache, dass beide Systeme nach unterschiedlichen Kriterien bewerten.

Der Verstand verarbeitet Information und bewertet diese danach, ob etwas sachlich richtig, vernünftig oder logisch ist.

Das Unbewusste hingegen, beurteilt danach, ob mir etwas angenehmen oder unangenehm ist. Es stellt die Frage: habe ich Lust darauf – ja oder nein?

Was also passiert, ist ein inneres Abwägen. Wenn also eine Aufgabe ansteht oder eine Entscheidung getroffen ist, wägen beide Systeme in unserem Hirn ab. Richtig entschlossen sind wir erst, wenn beide miteinander synchronisiert sind. Das wiederum fällt uns aber häufig schwer, da das Unbewusste – wie das Wort schon sagt – uns häufig verborgen bleibt.

Eine unliebsame Sache ist bspw. die Steuer zu machen. Betrachten wir die beiden Systeme, weiß der Verstand sofort, welchen Mehrwert es bringt, wenn du die Aufgabe erledigst. Auf Verstandesebene ergibt es Sinn und ist vollkommen logisch.

Jetzt funkt allerdings das unbewusst arbeitende, emotionale Erfahrungsgedächtnis dazwischen und sagt: es fühlt sich nicht gut an. Ich habe da jetzt gerade keine Lust drauf.

Und da unser Gehirn darauf ausgerichtet ist, lieber eine sofortige Belohnung in Form eines positiven Gefühls zu bekommen, ist die Entscheidung klar. Wir machen das, was sich unmittelbar für uns gut anfühlt.

Wenn wir also Dinge aufschieben – die Steuer, den Anruf oder die Vorbereitung einer Präsentation – dann liegt das daran, dass wir uns lieber jetzt sofort gut fühlen wollen als später.

Die Entscheidung, was wir jetzt erledigen vs. später, hängt dementsprechend nicht mit der Aufgabe an sich, sondern mit dem damit verbundenen Gefühl zusammen. Aber was bedeutet das genau? Und was ist es dann, warum du Aufgaben immer wieder aufschiebst?

Fünf Gründe, warum du Aufgaben aufschiebst

Lass uns also anschauen, was fünf Gründe für deine Aufschieberitis sein können und warum du Aufgaben immer wieder aufschiebst. Die Gründe zu verstehen, ist entscheidend, wenn du Prokrastination endlich hinter dir lassen willst.

Die Angst zu versagen

Es kann sein, dass du eine Aufgabe vor dir herschiebst, weil du Angst hast, dabei zu scheitern. Du kannst dir heute schon ausmalen, dass das Ergebnis nicht perfekt sein wird und genau dieser Gedanke beunruhigt dich und gibt dir ein schlechtes Gefühl.

Das heißt, wenn du diese eine Sache – die Steuer, den einen Anruf oder die Vorbereitung auf eine Präsentation – erst gar nicht angehst, kannst du auch nicht daran scheitern. Das ist die Denkweise dahinter, die dich vor einem negativen Ergebnis schützt.

Im selben Moment übernimmst du aber auch keine Verantwortung und kommst nicht ins Handeln. Das wiederum bedeutet auch, dass du dich persönlich nicht weiterentwickeln oder in dieser einen Sachen überhaupt besser werden kannst.

Bewertung vermeiden

Es kann sein, dass du ein Mensch bist, der ständig auf der Suche nach Anerkennung ist und gerne von Außen bestätigt werden möchte.

Wenn du dich darin wiederkennst, kann es sein, dass du Dinge vor dir herschiebst, weil die Gefahr besteht, für das Ergebnis von anderen kritisiert zu werden.

Vielleicht, weil du eine Präsentation vorbereiten musst, die du vor einer großen Gruppe auf der Arbeit halten wirst oder weil du einen Post auf LinkedIn absetzen möchtest, du aber zögerst, weil niemand antworten könnte.

Diese Gedanken sind zurückzuführen auf die Angst, sozial abgelehnt zu werden. Diese Angst ist wirklich sehr gut darin, dich wirklich zurückzuhalten.

Angst erfolgreich zu sein

Ja, das gibt es auch. Menschen schieben Aufgaben auf, weil sie Angst davor haben, erfolgreich zu sein. Klingt im ersten Moment etwas ungewöhnlich. Kann jedoch auch eine Angst sein, die uns zurückhält und der viele Menschen keine Beachtung schenken.

Die Angst erfolgreich zu sein, kann uns vor verschiedenen Dingen bewahren:

  1. Menschen, die diese Angst in sich haben, klammern sich an dem Gedanken fest, dass sich mit dem Erfolg auch die Erwartungshaltung anderer Menschen verändert. In dir verankert findest du dann möglicherweise eine Angst, dass mit Erfolg auch der Druck auf dich und die erwartete Leistung steigt.In einem meiner Coachings hat einer meiner Coachingklienten diese Angst für sich identifiziert. Er beschrieb, dass er  Angst hat erfolgreich zu sein, da das wiederum die Erwartungshaltung seines Chefs und seiner Kollegen verändern wird. Die dahinterliegende Sorge war, den Ansprüche dann nicht mehr gerecht werden zu können und andere zu enttäuschen. Und bevor das Realität wird, lies er jegliche Anstrengung und jeglichen Schritt sichtbarer zu werden ganz – er prokrastinierte.
  2. Diese Angst bewahrt uns auch vor Veränderung. Manche Menschen glauben, dass wenn sie erfolgreich sind, dann verändert sich auch das eigene Leben oder die Art und Weise wie sie arbeiten. Einige wollen diese Veränderung nicht erleben. Sie wollen lieber, dass alles genauso bleibt wie es ist. Und damit das auch eben so bleibt, versperren oder verwehren sie Aufgaben überhaupt anzugehen.

Spontanes Handeln… oder reagieren?

Der vierte Grund, warum wir Aufgaben aufschieben, ist wahrscheinlich einer der Gründe, die wir am meisten erleben: spontanes, unkonzentriertes und/oder unüberlegtes Handeln. Das ist darauf zurückzuführen, dass wir uns leicht von äußeren Einflüssen ablenken und leiten lassen.

Der Grund dafür kann sein, dass du eben einfach nicht an der Sache, die du gerade erledigen willst, interessiert bist. Vielleicht ist es langweilig oder es gibt keinen Zeitdruck dahinter.

Du siehst einfach keine Dringlichkeit darin, die Sache zu erledigen. In diesen Momenten kommt alles andere gerade gelegen. Anstatt zu arbeiten, machst du lieber den Haushalt. Anstatt der Steuer, liest du lieber ein Buch oder triffst dich mit Freuden.

In diesen Momenten ist es meist jedoch genau dieser Fokus, den es bräuchte, um in Bewegung zu kommen und Aufgaben vor dem Aufschieben zu bewahren.

Verweigerung

Der fünfte Grund, warum du Aufgaben aufschiebst, ist dir sicherlich auch bekannt. Es ist der einfache Grund, dass du etwas nicht magst oder sehr ungern machst. Du findest es vielleicht richtig unnötig und nervig nach dem Kochen den Abwasch zu machen oder deine vielen E-Mails zu beantworten. Und genau aus diesem einfachen Grund, machst du es dann auch nicht.

Mache dir in diesen Situationen einfach bewusst, dass diese Dinge erledigt werden müssen. Ob du es willst oder nicht, unnötig, nervig oder langweilig findest, spielt in diesen Momenten keine Rolle.

Entscheidend ist, den negativen Emotionen, die diese eine Aufgabe in dir auslöst, keinen Raum zu geben.

Eat that frog oder wie meine Oma sagt, Augen zu und durch.

Widerstand und Rebellion

Der letzte Grund ist vor allem für die Menschen ein Begriff, die ihre Arbeit überhaupt nicht gerne machen.

Wenn du nämlich dazu gezwungen oder angehalten bist, eine Aufgabe zu erledigen, die dir innerlich ganz widerstrebt, dann blockierst du.

Du legst die eine Sache dann einfach zur Seite und gehst es nicht an. Wenn doch, dann braucht es einen unglaublich großen Aufwand, um überhaupt damit anzufangen. Oder eben viele gute Ausreden, um es ganz sein zu lassen.

Emotionen, nicht Aufgaben sind verantwortlich für Prokrastination

Wenn wir uns also die sechs Gründe anschauen, warum du prokrastinierst, fällt auf, es liegt nicht an der Aufgabe. Es liegt vielmehr an der Emotion und dem Gefühl, das du mit der anstehenden Aufgabe verknüpfen.

Es lohnt sich also genauer hinzuschauen und genau zu überlegen, warum du eine Aufgabe vor dir herschiebst.

Dein Hauptziel ist es – ganz egal welcher Grund zu Grunde liegt – die negative, unbequeme und unangenehme Emotion zu vermeiden, die du damit verbindest.

Das ist eben auch der Grund dafür, warum es uns so einfach fällt, einer Aufgabe nachzugehen, wenn wir sie lieben. Das kennst du sicher auch. Wenn du etwas gerne machst und es mit einer positiven Emotion verbunden ist, geht es dir wie im Flow einfach von der Hand. Du fühlst dich dann voller Energie, baust Momentum auf und die Zeit läuft einfach nur so davon.

Wie gesagt, geht es auch hier genau um die Emotion, die du erlebst, wenn du eine Aufgabe machst. Vor, während und nachdem du sie erledigt hast.

Warum du Aufgaben aufschiebst, liegt in der Kindheit begründet

Ein Großteil der Emotionen, die du im Hinblick auf die unterschiedlichen Aufgaben beobachtest und wahrnimmst, sind auf deine Kindheit zurückzuführen.

Ein möglicher Hintergrund können sein, dass du in einer Familie aufgewachsen bist, die hohe Erwartungen und Anforderungen an dich gestellt hat. Das kann sich in beiden Facetten widerspiegeln: der Angst, erfolgreich zu sein und der Angst, zu versagen.

Ganz egal, in welchen der Gründe du dich wiederfindest, ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Vorausgesetzt natürlich du willst Prokrastination hinter dir lassen bzw. lernen wie du damit umgehen kannst.

Die Gründe zu kennen, hilft dir, dich besser zu verstehen, warum du Aufgaben aufschiebst. Daraus wiederum kannst du dann Strategien ableiten, die dir helfen, auch unliebsame Aufgaben anzugehen.

Das ist auch einer der Gründe, warum ich Coaching so sehr mag. Es hilft dir, deiner selbst bewusster zu werden. Mit neuem Bewusstsein und neuer Klarheit wiederum, kannst du Strategien definieren und umsetzen, die dich zu deinen persönlichen Zielen bringen. Und das, in einer Art und Weise mit der du beginnst, deine Arbeit und dein Leben zu lieben. Erfolgreich zu sein, ohne auszubrennen.

In einem nächsten Blogpost zeige ich dir Tools und Strategien wie Prokrastination in deinem Leben bald der Vergangenheit angehört.

Wenn du Lust hast mit mir an deiner beruflichen Situation zu arbeiten, deine nächste berufliche Ebene zu erreichen und Klarheit zu entwickeln, dann kontaktiere mich gern mit deinem Anliegen. Ich freue mich auf dich!