Self-Leadership – an wen oder was denkst du, wenn du dieses Wort hörst? Überlege einmal, wo du Führung in deinem Leben als positiv und stützend erlebt hast. Wer konnte dich zu deinen besten Leistungen motivieren? Wo hast du dich gefördert gefühlt? Wer war dir ein Vorbild? Bei wem hast du gedacht: So möchte ich einmal sein, wenn ich groß bin?  

Bei mir waren das Führungskräfte, die mich nicht nur durch fachliche Kompetenz überzeugt haben, sondern auch reflektiert, authentisch, organisiert und dynamisch sind. Vorgesetzte, die Fehler zugeben können und aus ihnen wachsen. Sie konnten mich für ihre Ziele begeistern und den Weg dorthin klar aufzeichnen. 

All diese Fähigkeiten sprechen dafür, dass diese Personen ein positives Self-Leadership praktizieren, also sich selbst gut zu führen können. 

Egal ob Führungskraft oder nicht: Von einer guten Selbstführung kann jeder von uns profitieren, denn gute Self-Leader 

  • wissen, wer sie sind und was sie wollen,
  • übernehmen Verantwortung für ihr Leben und ihr Wohlbefinden,
  • verfolgen fokussiert ihre Ziele,
  • sind in ihrem inneren Gleichgewicht
  • und sind offen, was Veränderungen betrifft. 

Ich bin sicher, dass sich die meisten guten Self-Leader nicht erst mit Erhalt ihrer Leitungsposition zu einer überzeugenden Führungspersönlichkeit entwickelt haben. Das Schaffen einer ganzheitlichen und optimistischen Selbstführung ist vielmehr der erste Schritt auf dem Weg in die Führungsetage.

Doch was versteht man genau unter Self-Leadership? 

So neu ist der Gedanke mit der Selbstführung nicht. Schon Berthold Auerbach, ein deutscher Schriftsteller des 19. Jahrhunderts wusste 

„Selbstbestimmung, Selbstregulierung, Selbstführung sind die Grundbedingungen des modernen Lebens. Je freier die Berufsart, um so stetiger bedarf es in ihr der Disziplin seiner selbst.“ – Berthold Auerbach –

Zusammengefasst geht es beim Self-Leadership darum, die eigenen Gefühle, Gedanken und Handlungen durch verschiedene Methoden so zu beeinflussen, dass wir unser volles Leistungspotenzial entfalten können. 

Indem wir lernen, uns selbst zu führen, stärken wir zeitgleich unser Gefühl von Selbstwirksamkeit, das Vertrauen auf unsere Fähigkeiten und unser Selbstbewusstsein. Wir haben klare Visionen und wissen uns zu fokussieren. 

Ohne bewusstes Self-Leadership fahren wir im Autopilot. Wir reagieren, anstatt unser Leben aktiv zu beeinflussen. Mit einer positiven Selbstführung hingegen nehmen WIR das Steuer in die Hand. 

Gibt es einen Unterschied zwischen Selbstmanagement oder Self-Leadership? 

Der Begriff des Selbstmanagements ist den meisten von uns geläufiger. Im Selbstmanagement lernen wir, wie wir unsere Zeit planvoll nutzen, unsere Aufgaben sinnvoll strukturieren und so unsere Leistungsfähigkeit optimieren. Wir managen unsere Fähigkeiten und Tätigkeiten. 

Self-Leadership geht tiefer. Es geht darum, die eigenen Stärken, Ziele und Werte erst einmal klar zu benennen. Wer sich selbst gut führt, weiß, was ihn motiviert und kann das einsetzen. Er ergründet seine blinden Flecken und hinterfragt sein eigenes Verhalten, um es bei Bedarf zu modifizieren. 

Ein gutes Selbstmanagement ist oft die Folge eines erfolgreichen Self-Leadership, weil wir uns mit der Konzentration auf unsere wahren Ziele nicht mehr in Nebensächlichkeiten verlieren.

Die Säulen eines positiven Self-Leadership

Die Selbstführung verinnerlicht zahlreiche Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung: angefangen bei der Kenntnis unserer Werte und damit einer wachen Selbstwahrnehmung, hinterfragen wir unser Tun und den Grad unserer Authentizität. Daraus resultierend formulieren wir unsere Ziele, motivieren uns kontinuierlich und verstehen Hindernisse als Teil des Lernprozesses.

Dieser ganzheitliche Ansatz spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Theorien und Strategien wieder. Mir fällt es ziemlich schwer, aus deren Vielzahl eine klare Antwort auf die Frage zu finden, wie eine gute Selbstführung in der Praxis aussieht.  

Ich möchte ein wenig Licht ins Dunkel bringen und euch sozusagen eine Quintessenz aus verschiedenen Theorien präsentieren. Hier also die Intention Self-Leadership greifbarer zu machen und ein paar konkrete Möglichkeiten, um eine positive, ganzheitliche Selbstführung in euren Alltag zu integrieren. 

I. Selbstbeobachtung und Selbstreflexion

„Ich weiß wer ich bin und kenne meine Ziele.“

Selbstbeobachtung konfrontiert uns mit unseren ungeliebten Seiten und deckt unsere blinde Flecken auf. So unangenehm das sein kann – sie ist der erste Schritt in Richtung eines positiven Self-Leadership. Denn nur, wenn wir die Ecken und Kanten unserer Persönlichkeit kennen, können wir beginnen, sie anzunehmen. Oder an ihnen feilen. 

Gleichzeitig erkennen wir unsere Stärken und Ressourcen und können sie nutzen. Eine aufmerksame Selbstbeobachtung und die anschließende Reflexion führt uns näher an unser authentisches Ich heran. Wir lernen unsere Werte und Wünsche besser kennen und sehen unter Umständen auch, was uns an deren Verwirklichung hindert.

Wer auf den rechten Weg will, muss durchaus durch sich selbst hindurch.

– Wilhelm Busch –

Eine effektive und einfache Methode zur Selbstbeobachtung und -reflexion ist das tägliche Schreiben. Manchmal ist unser Alltag so schnelllebig, dass wir keine Zeit haben, uns und unser Verhalten in der Hektik der Situation zu hinterfragen. Nimm dir daher jeden Abend ein wenig Zeit, den Tag schriftlich Revue passieren zu lassen. 

Was hast du getan und wie hast du es getan? Wo bist du an Grenzen gestoßen? Wie hast du dich an dieser Grenze verhalten? Wo sind dir Dinge gut gelungen? Und wo siehst du noch Verbesserungspotential? In meinem Artikel zum Thema Selbstwahrnehmung findest du noch mehr Ideen, wie du eine Annäherung an dich selbst gestalten kannst. 

II. Selbstverantwortung und Selbstfürsorge 

„Ich nehme mein Leben in die Hand.“

Wer sich und andere positiv führen will, kommt nicht umhin, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. 

Stell dir zum Beispiel vor, du bist müde und überarbeitet, stehst vor nicht enden wollenden To-Do-Listen und kannst keine Aufgabe abschließen, bevor zehn neue auf deiner Agenda stehen. 

Es ist ein Leichtes, die Schuld dafür im Außen zu suchen. Der Chef lastet dir immer mehr Aufgaben auf, die Kollegen unterbrechen dich bei der Arbeit oder die schlechte Organisation deiner Firma ist schuld. Du kannst dich nun darüber beschweren. Oder du beginnst, deinen Teil der Verantwortung zu übernehmen und etwas zu ändern. 

Hast du „Nein“ gesagt, als dein Chef dich mit Aufgaben überhäuft hat? Verzettelst du dich vielleicht schnell oder lässt dich insgeheim sogar gerne von den Kollegen ablenken, weil dir deine Arbeit keinen Spaß macht? Oder sind nicht die fehlenden Strukturen deines Unternehmens, sondern DEIN fehlendes Selbstmanagement dafür verantwortlich, dass du deine Aufgaben nicht abschließen kannst? Und wenn wirklich das Außen für deine langen To-Do-Listen verantwortlich ist: Wieso arbeitest du für jemanden, der dir so viel Energie raubt? 

„Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.“

Sokrates

Wer die Verantwortung für sich selbst übernimmt, bleibt handlungsfähig und selbstbestimmt. Andernfalls bleiben wir passiv und Opfer der Umstände. Frage dich also bei Unzufriedenheiten und Fehlern, wo deine Anteile liegen. Nur so kannst du aus schwierigen Phasen lernen. 

Eine positive Selbstführung hat dabei auch immer dein Wohlbefinden im Blick. Kennst du deine individuellen Grenzen? Weißt du, was deine Anzeichen für Stress sind? Wann brauchst du Pausen? Wo liegt dein optimales Arbeitspensum? Ein guter Self-Leader kümmert sich um sich selbst und schützt sich davor, auszubrennen. 

III. Selbstmotivation und Selbsterinnerung

„Ich weiß, was mich antreibt und bin fokussiert.“

Kümmern wir uns liebevoll um uns, sorgen wir dafür, unsere Ziele entsprechend unseren Bedürfnissen und Neigungen zu setzen: Unsere innere Motivation stimmt mit unserer Arbeitssituation und unseren Zielsetzungen überein.

Ein Beispiel: Max hat sich aus einem tiefen inneren Wunsch heraus für sein Medizinstudium entschieden. Er sieht es als seine Aufgabe, Menschen zu helfen und interessiert sich für alles rund um das Thema Körper. Paul hingegen kommt aus einer Familie von Medizinern und es ist schon lange klar, dass er später die Praxis seines Vaters übernehmen soll. Das leuchtet ihm ein und ist natürlich auch praktisch, allerdings sieht er sein Talent eher im Handwerk und merkt schnell, dass ihm der Umgang mit Patienten nicht liegt. Er hätte viel lieber eine Ausbildung zum Tischler gemacht. Wem wird es wohl leichter fallen, entspannt mit dem hohen Anforderungsniveau während des Studiums zurecht zu kommen? Wer von beiden wird Schwierigkeiten haben, den Fokus zu halten? 

Doch auch, wenn deine intrinsische Motivation mit deiner Zielsetzung und deiner aktuellen Lebens- und Arbeitssituation übereinstimmt: selbst der motivierteste Medizinstudent gelangt manchmal an seine Grenzen und verliert die Lust, wenn das Lernpensum die Kräfte zu übersteigen droht und kein Ende der Prüfungszeit in Sicht ist. Hier kommt die extrinsische Motivation ins Spiel. Wir brauchen Strategien zur Selbstbelohnung, um auch in schwierigen Zeiten am Ball zu bleiben. Damit erinnern wir uns in regelmäßigen Abständen daran, wieso wir tun, was wir tun. 

Was stellt für dich einen echten, äußeren Anreiz dar? Vielleicht ein Abendessen mit guten Freunden? Eine heiße Wanne mit einem Glas Wein? Ein guter Film? Ein schöner Ausflug? Plane Belohnungen nach einer aufreibenden Phase ein oder auch nur einem anstrengenden Tag. 

Sei dir außerdem deiner Leidenschaften bewusst, über das, woraus du wirklich Freude schöpfst. Wir sind meist am besten in den Dingen, die wir lieben. 

Marie Forleo hat ein tolles Interview mit Edward M. Hallowell geführt, in dem die beiden über das Fokussieren und Ziele setzen sprechen. Die wichtigsten Impulse daraus habe ich für euch zusammengefasst.  

IV. Selbstregulierung und Resilienz

„Ich bin in meiner Mitte.“

Selbstregulation bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, unangenehme Gefühl zu unterdrücken und zu ignorieren. Vielmehr beschreibt sie die Fähigkeit, Unvorhergesehenes, Stress und Krisen zu überwinden und wieder in unser Gleichgewicht zurück zu finden. 

Die Selbstführung ist eng verwoben mit unserer Resilienz, unserer inneren Widerstandskraft. Gute Self-Leader lassen sich weniger schnell aus der Ruhe bringen und bleiben auch bei einem hohen Arbeitspensum belastbar. Sie kennen aber auch ihre individuelle Belastungsgrenze und scheuen sich nicht davor, nein zu sagen. 

„Die Ruhe ist eine liebenswürdige Frau
und wohnt in der Nähe der Weisheit“

Epicharmos

Ein gutes Instrument zur Selbstregulierung und Stärkung deiner inneren Abwehrkraft sind konstruktive und mitfühlende Selbstgespräche. 

Beobachte zuerst, wie deine inneren Monologe aussehen. Bist du selbst dein strengster Kritiker? Denkst du eher: „Das geht bestimmt schief“ als „Ich schaffe das“?Treibst du dich weiter zu Höchstleistungen an, wenn du eigentlich schon weit über deine Grenzen gegangen bist? Verurteilst du dich für Fehler? Hast du vor einer schwierigen Aufgabe den Erfolg ganz klar vor Augen? Oder siehst du dich bereits scheitern? 

Versuche ganz bewusst, dir selbst freundlich zu begegnen. Tröste dich, wenn etwas schief gelaufen ist. Starte mit einem positiven und aufmunternden Mantra in den Tag. Mit unserer inneren Haltung und unseren Gedanken ziehen wir an, was wir anstreben. Habe daher ein klares Bild von der Person im Auge, die du in deiner besten Version bist. 

V. Anpassung und Veränderung

„Ich verstehe Lernen als lebenslangen Prozess.“

Ich verstehe Persönlichkeitsentwicklung und Self-Leadership nicht als etwas, das irgendwann abgeschlossen ist. Wir sind nie „fertig“. Das Leben ist deshalb so spannend, weil wir immer weiter dazu lernen. 

Wer aufhört zu lernen, ist alt. Er mag zwanzig oder achtzig sein.“ 

– Henry Ford – 

Es passiert, dass wir an Punkten straucheln, an denen wir uns schon als Profis empfunden haben. Manchmal lernen wir von Menschen, von denen wir das gar nicht erwartet hätten. In Phasen unseres Lebens geraten wir in Krisen, obwohl wir uns als stabil erlebt haben. Ein guter Self-Leader weiß um die Bedeutung des lebenslangen Lernens. Er ist bereit, Fehler zuzugeben und aus ihnen zu wachsen. Er verändert sein Verhalten und bleibt offen für die Strategien und Methoden anderer. 

Wer sich an an Vorbildern orientiert, büßt nicht automatisch an Authentizität ein. Schließlich geht es nicht darum, jemanden zu kopieren, sondern sich Anregungen zu holen und dann zu überprüfen, was eventuell auch gut zu uns passt. 

Hast du Vorbilder? Oder kennst du Menschen, die dich beeindrucken? Beobachte sie, komme mit ihnen ins Gespräch. Frage sie nach ihrer Erfolgsgeschichte. Suche nach Inspirationen und sei offen für ungewöhnliche Lebens- und Arbeitskonzepte. Selbst wenn sie sich für dich nicht als passend erweisen, geben sie vielleicht den Anstoß zu einer individuellen Entwicklung. 

Self-Leadership konkret: Was kann ich tun? 

Erschlagen von all den Informationen? Kein Wunder: Self-Leadership ist ein riesiges Thema. Hier noch einmal zusammengefasst die konkreten Methoden aus diesem Artikel, mit denen du dich zum guten Self-Leader entwickeln kannst: 

  • Nehme dir jeden Abend ein wenig Zeit, um dich und deinen Tag schriftlich zu reflektieren.
  • Hinterfrage bei Problemen und Hindernissen, wo dein Anteil liegt und versuche, diese aktiv zu beeinflussen
  • Mache dir deine Ziele bewusst
  • Erinnere dich selbst regelmäßig an deine Motive und belohne dich für Erfolge 
  • Arbeite an einem gezielten Fokus 
  • Feile an deinen inneren Monologen und gestalte sie positiv
  • Entwickle ein aufmunterndes Mantra für den Tag
  • Sei offen für Veränderung und orientiere dich an Vorbildern

Wünschst du dir noch mehr Anregungen zum Thema Self-Leadership oder fühlst dich damit überfordert, alleine an diesem Thema zu arbeiten? Vereinbare gerne ein kostenloses Erstgespräch und wir entwickeln gemeinsam Strategien! 

Ich freue mich auf dich! 

Deine Lena