Wir scheinen alle recht gut zu sein, uns Ziele zu stecken. Jedes Jahr setzen sich rund 40% der Deutschen Ziele und 2/3 von ihnen haben sie bereits Ende Januar wieder aufgegeben.

Vom Ziel in die Umsetzung – da liegt das Problem begraben. Wir haben große Träume und Ziele, aber wie kommen wir dort hin? Wie können wir ambitionierte Ziele auch wirklich umsetzen?

Diese entscheidende Frage vergessen wir uns zu stellen. Drei wissenschaftlich als effektiv erprobte Impulse findest du in diesem Blogartikel.

Ambitionierte Ziele setzen und umsetzen – das sind zwei paar Schuh

Peter Gollwitzer, Sozialpsychologe beschreibt das Problem so: „Ein Ziel ist noch lange kein Plan. Entscheidend ist, dass man nicht nur das erwünschte Ergebnis festlegt, sondern auch einen Plan macht, wie sich dieses Ergebnis erreichen lässt.“

Scheint doch so einfach zu sein und trotzdem hört man häufig den Satz:

Ich weiß, wo ich hin will, aber ich komme einfach nicht in die Umsetzung.“

„Ich stehe mir selbst im Weg.“

„Ich weiß einfach nicht, wo ich anfangen soll.“

Die Ziele sind ambitioniert, die Umsetzung lässt allerdings noch zu wünschen übrig und versetzt uns in eine innere Unruhe.

Eine starke Motivation reicht nicht aus, vor allem bei neuartigen oder großen Zielen. 

Wir übersehen Chancen, um mit der Veränderung zu beginnen, verlieren vor lauter To-Do`s unser Ziel aus den Augen oder fühlen uns am Abend magisch von der Couch angezogen. Ziele umzusetzen, fällt uns extrem schwer. Die Verlockungen sind einfach viel zu groß.  

Vor in diesem Jahr überhaupt das Labyrinth aus Fragen, Gefühlen und Bedürfnissen entsteht, stelle ich dir gleich drei wissenschaftlich nachgewiesen, wirksame Strategien vor. Diese helfen uns ambitionierte Ziele auch wirklich umsetzen zu können. 

Die Würfel sind gefallen – das Rubikon Modell

Das Rubikon Modell (von Heckhausen, Gollwitzer und Grawe) aus der Motivationspsychologie ist die Wegbeschreibung, um aus dem Labyrinth wieder herauszufinden. Es beschreibt fünf Phasen, um vom Bedürfnis über das Motiv in die Handlung zu kommen.

Der Name des Rubikon Modells ist in Anlehnung an Julius Caesar entstanden. Er entschied im Jahre 49 vor Christus mit den Worten „Alea jacta est“ – die Würfel sind gefallen, in den Krieg zu ziehen. Nach einer langen Phase des Abwägens fasste er den Entschluss, mit seinen Soldaten einen Fluss namens „Rubikon“ zu überqueren und in die Schlacht zu ziehen.

Es geht in dem Rubikon Modell natürlich weniger um das Ereignis („in den Krieg ziehen“) als um die Beschreibung, welche Phasen ein Wunsch durchlaufen muss, um Realität zu werden.

Alle fünf Phasen sind dafür entscheidend, wenn wir schlussendlich genau diese Entschlossenheit für uns selbst erleben wollen, die auch Julius Caesar in diesem Moment hatte.

Es ist der Moment, in dem aus einem Wählen „goal setting“ ein Wollen „goal striving“ wird.

Es geht also insbesondere um die Frage: Was brauchen wir, um den Rubikon zu überqueren?

1. Formuliere ein Haltungsziel

Ein Haltungsziel hebt sich von der bekannten SMART Methode ab, bei der man ganz konkret beobachtbare und messbare Ergebnis festhält.

Das Haltungsziel spricht viel mehr unsere persönliche Einstellung und innere Haltung im Hinblick auf das Ziel an. Es ist wie eine Art Motto, Überschrift oder Intention für unser Vorhaben.

Kennengelernt habe ich die Arbeit mit den Haltungszielen durch das Zürcher Ressourcen Modell. Eine Selbstmanagement Methode des Instituts für Selbstmanagement und Motivation in Zürich.

Haltungsziele erarbeitet wir im Coaching mithilfe von Bildern und Projektionen. Daraus entstehen für das Thema Haltungsziele wie „Ich bin dann mal offline“, „Durch Neugierde erschaffe ich Leidenschaft, die wiederum führt mich zur Souveränität“, „Ich gehe ruhig und selbstbewusst meinen Weg“ oder „Ich schaffe in Ruhe Verbindungen, um durch Fokus meine Brücke zu bauen“.

Ein ganz individueller Slogan, mit dem wir ambitionierte Ziele auch wirklich umsetzen werden.

Haltungsziele sind im Präsens und in einer bildhaften Sprache formuliert. Gern auch poetisch mit Humor. Entscheidend ist, dass sich diese Intention oder das Motto gut anfühlen, ein starkes positives Gefühl in uns auslösen und uns ein „Lächeln“ ins Gesicht zaubern.

Wenn sie das machen, dann ist aus wissenschaftlichen Befunden bekannt, dass diese Art von Ziel es uns ermöglicht, bereits unmittelbar nach der Formulierung ins Handeln zu kommen.

2. Denke groß, starte klein (bzw. im Hier&Jetzt)

In den Sozialen Medien werden wir sehr häufig aufgefordert groß zu denken und Visionen für unsere Zukunft auszumalen.

Keine Frage, das ist ein guter Ansatz. Vor allem um den eigenen Denkrahmen zu sprengen, die eigenen Möglichkeiten zu erkennen, auszuweiten und an der richtigen Stelle anzupacken. Jedoch bleiben das meist ambitionierte Ziele, die wir nur selten umsetzen.

Die Psychologin Gabriele Oettingen hat in 20 Jahren Forschung sich u.a. mit der Frage auseinandergesetzt, wie Zukunftsträume sich auf unser Leben auswirken. Dafür hat sie Frauen untersucht, die von einem schlanken Körper träumten. Die Ergebnisse haben sie sehr überrascht.

Je positiver sich die Probandinnen zuvor ihren Erfolg ausgemalt hatten, desto weniger Gewicht hatten sie tatsächlich verloren. Aber es war kein Fehler. In Folgestudien konnten Oettingen und ihre Kollegen den Effekt nachweisen: Wenn es darum geht, unsere Wünsche in die Tat umzusetzen, schadet allzu positives Denken.

Hintergrund ist der, dass Menschen, die nur den Blick in die Zukunft richten, vergessen den Plan und übersehen dabei leicht Hürden, die den Erfolg des Vorhabens gefährden könnten. Nur positiv zu denken, hilft uns also nicht, unsere ambitionierten Ziele auch wirklich umzusetzen. Im Gegenteil, es hemmt uns sogar.

Zukunft und Gegenwart verbinden

Entscheidend ist beides im Blick zu haben: die Zukunft und die Gegenwart. Das wiederum löst sich auch auf die eigene Motivation aus, wie Oettingen herausgefunden hat.

Ob dir das gelingt, kannst du mit der WOOP-Technik, ebenfalls von Oettingen herausfinden. Das Akronym steht für „wish“ (Wunsch), „outcome“ (Ergebnis), „obstacle“ (Hindernis) und „plan“ (Plan). Es fordert dich auf nicht nur auf dir Gedanken über die Zukunft zu machen, sondern auch darüber wie du ins Handeln kommen und damit Hürden überwinden und Möglichkeiten einsammeln kannst.

3. Entwickle Routinen in Form von Wenn-Dann Plänen

Kommen wir nochmal auf Gollwitzer zu sprechen. Er gilt als der Entdecker der sogenannten Wenn-dann-Pläne, deren Wirksamkeit er mit seinen Kolleg:innen in über 200 Studien wissenschaftlich nachgewiesen hat.

Wenn-Dann Pläne sind eine Strategie für die eigenen Selbstregulation, die insbesondere dann hilfreich sind, wenn wir unsere Ziele verwirklichen wollen.

Gollwitzer empfiehlt, sich einen solchen Wenn-Dann-Plan zu machen, der beschreibt, wann, wo und auf welche Art das Ziel erreicht werden soll – nach dem Schema „Wenn Situation X eintritt, führe ich das zielförderliche Verhalten Y aus“.

Wenn-Dann Pläne in kritischen und herausfordernden Situationen

Die Wenn-Dann-Pläne greifen deshalb vor allem in Situationen, die kritisch und gefährlich sind, weil wir Gefahr laufen, in alte Verhaltensweisen zurückzufallen.

Insbesondere positive daran ist, wir brauchen weniger Energie, um uns selbst zu kontrollieren und zu überwinden. Deshalb eignen sie sich auch, um ganze Routinen für uns daraus zu stricken und erklären auch, warum wir Morgen- und Abendroutinen ernst nehmen sollten.

Statt sich also nur vorzunehmen: „Ich will regelmäßig Sport machen“, sollte man zudem definieren: „Wenn ich abends ins Bett gehe, lege ich mir meine Laufkleidung bereit. Wenn ich morgens aufstehe, gehe ich als erstes eine Runde laufen.“ oder „Wenn mein Gehalt eingeht, überweise ich sofort 100 Euro auf mein Sparkonto.“

Der Plan muss sich jedoch nicht auf unbedingt auf einen äußeren Zustand, sondern kann sich auch auf einen inneren beziehen: „Wenn ich innere Unruhe spüre, dann atme ich tief durch und zähle bis zehn.“

„All evil is rooted in ignorance“ – Platon

Platon sagte, „All evil is rooted in ignorance“ und genau das gleiche gilt im Hinblick auf unsere Zielerreichung. Es ist unsere Aufgabe, unsere Verhaltensweisen und Gewohnheiten zu erkennen, die uns davon abhalten unsere Wünsche Realität werden zu lassen.

Falls du dir gerne Ziele setzen möchtest, aber noch gar nicht weißt wo du gerade stehst, dann beginne mit einer Selbstreflexion der vergangenen 12 Monate. Diese wird dir die erste wichtige Erkenntnis zu dir, deinen Erfolgen und Misserfolgen sowie den wichtigen Learnings daraus aufzeigen.

 

Du wünschst dir Unterstützung, deine Ziele zu erreichen? Oder Ziele zu definieren, die deiner Persönlichkeit entsprechen? Dann kontaktiere mich gerne für ein kostenfreies Erstgespräch.