Viele von uns sehnten sich im vergangenen Jahr nach dem Austausch mit liebgewonnenen Kolleg:innen, wünschten sich wieder eine engere Zusammenarbeit und fieberten dem Ende des Homeoffice entgegen, egal, wie viele positive Aspekte das Arbeiten in den eigenen vier Wänden auch mit sich gebracht haben mochte. Nur im stillen Kämmerlein zu sitzen und Gespräche lediglich über den Bildschirm oder das Telefon führen zu können, ist für die meisten auf Dauer eben doch nicht befriedigend.

Doch nicht immer ist die Zusammenarbeit mit Kollegen fruchtbar und wohlwollend. Manchmal ist genau das Gegenteil der Fall  – sogar öfter, als man vermuten möchte. Laut einer Studie vom Hernstein-Institut verbringen wir angeblich 15% unserer Arbeitszeit mit Konflikten oder deren Lösung. 50% aller Kündigungen durch Mitarbeiter liegt ein ungelöster Konflikt zu Grunde. Geht die Kündigung vom Arbeitgeber aus, sind es sogar 90 %. 

Kaum etwas anderes belastet uns im Arbeitsalltag so sehr wie zwischenmenschliche Konflikte mit Kollegen. Sie beeinträchtigen unsere Zufriedenheit, unsere Konzentration und unsere Arbeitsleistung. Der Grund dafür, dass Uneinigkeiten am Arbeitsplatz besonders häufig auftauchen, liegt nahe. Mit unseren Kolleg:innen verbringen wir mehr Zeit als mit unserer Familie oder guten Freunden. Doch nur selten hatten wir Einfluss darauf, mit wem wir zusammenarbeiten. Wir müssen auf das Händchen eines Dritten vertrauen, der Personalentscheidungen nicht nur mit einem Blick auf fachliche Qualifikation, sondern auch mit einem guten Gespür für eine harmonische Teamzusammensetzung trifft. 

Im Arbeitsalltag haben wir oft keine Möglichkeit Menschen auszuweichen, mit denen wir nicht zurecht kommen. So ist es nur verständlich, dass es besonders im Job öfter kracht. Dazu kommt die Schwierigkeit, dass von der Lösung von Konflikten am Arbeitsplatz viel abhängt und sie damit Druck verursachen. Schließlich sind davon unter Umständen der berufliche Erfolg oder Karrierechancen beeinflusst. 

Ich persönlich würde jedoch sagen: Besser es kracht, als dass Konflikte im Verborgenen schwelen und sich in Form von Gerüchten und Genörgel hinter vorgehaltener Hand äußern. Denn ein offener Konflikt bietet dir und anderen die Möglichkeit, sich zu erklären, den eigenen Standpunkt zu verdeutlichen und nach Lösungen zu suchen.

Mit Offenheit zur Lösung: 5 Impulse für einen Weg aus dem Konflikt

Sicherlich hat jeder von uns schon einmal an sich beobachten können, wie er bei einem Konflikt in den Kampfmodus schaltet. Wir rechtfertigen uns vorschnell, geben die Verantwortung für den Konflikt ab und erklären uns selbst zum Unschuldigen. Der „Kontrahent“ verhält sich ähnlich. Und dabei benehmen wir uns kaum erwachsener als zwei Kinder, die sich um das kaputte Spielzeug zanken und mit den Fingern aufeinander zeigen. 

Die Lösung eines Konfliktes liegt nicht darin, den Schuldigen ausfindig zu machen.  Selbst wenn die Schuldfrage zu unseren Gunsten geklärt werden würde: was ist damit gewonnen? Welche Lösung resultiert daraus? Es verhilft uns nur kurzfristig zu einer Befriedigung, macht langfristig jedoch nichts besser. 

„Das Ziel eines Konflikts oder einer Auseinandersetzung soll nicht der Sieg, sondern der Fortschritt sein.“

Joseph Jouber, französischer Jesuit

Um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen, müssen wir unseren Blick von der Schuldfrage abwenden und uns für die Lösung öffnen. Im bestmöglichen Fall geht es um ein Resultat, das von beiden Parteien als Gewinn empfunden wird. 

# 1 Das Tempo drosseln

In der Hitze eines Gefechts fallen häufig Worte, die uns im Nachhinein leid tun. Bei Konflikten am Arbeitsplatz ist dies besonders heikel, denn oft verschlechtern diese nicht (nur) die persönliche Beziehung zu unserem Kollegen, sondern können weitreichendere Folgen haben. Je nachdem, mit wem wir im Konflikt sind und wie sehr dieser schon eskaliert ist, sind unter Umständen unsere Karriere, Beförderungschancen, andere Teamkollegen oder erfolgreiche Projektabschlüsse bedroht. 

„Wer sichere Schritte tun will, muss sie langsam tun.“ 

Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Poet

Deswegen ist es ratsam, einmal tief durchzuatmen und eine Diskussion auf einen passenden Zeitpunkt zu verschieben. Mit einem „Lass uns später in Ruhe darüber reden“ verschaffst du dir und deinem Gegenüber eine kleine Verschnaufpause und verhinderst, dass sich der Konflikt unnötig verschärft.

Die richtige Zeit, der richtige Ort. So gestaltest du eine gute Basis für ein klärendes Gespräch.

# 2 Reden ist Silber, Zuhören ist Gold

Oft gehen wir davon aus, dass unser Gegenüber unsere Wahrnehmung teilt und daher Verständnis für unser Handeln hat. Doch das ist ein Trugschluss, aus dem die meisten Konflikte entstehen. Genauso wenig, wie dein Kollege dein Verhalten automatisch nachvollziehen kann, kennst du seine Beweggründe. Sei daher offen für das, was er zu sagen hat. Versuche, dir nicht im Kopf sofort Rechtfertigungen für etwaige Anschuldigungen zurechtzulegen. Höre zu, worin aus der Sicht deines Gegenübers das Problem besteht. Sei offen dafür, die Perspektive des anderen und die Beweggründe dahinter zu verstehen.

„Am besten überzeugt man mit den Ohren – indem man anderen zuhört.“

Dean Rusk, ehem. Außenminister der USA

Fasse das Gehörte zusammen und frage so lange nach, bis zu dir sicher bist, dass du alles verstanden hast. Häufig ist das Zuhören schon ein erster Schritt, um einen Konflikt zu entschärfen und deinem Gegenüber das Gefühl zu geben, dass seine Meinung gewürdigt wird. 

#  3  Gemeinsamkeiten herauskristalllisieren

Das Wesen eines Konfliktes besteht häufig darin, dass wir uns auf Differenzen und Unterschiede konzentrieren. Wir versuchen, unser Gegenüber von unserer Wahrheit und unseren Ansichten zu überzeugen. Dabei sind die Chancen denkbar gering, dass es uns bei verhärteten Fronten plötzlich zustimmt und unsere Meinung teilt. 

Unterschiedliche Ansichten zu haben ist vollkommen normal und kann die Zusammenarbeit sogar bereichern. 

Versuche anstatt dessen, eure Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu rücken – und sei es nur die, dass ihr beide anerkennt, im Konflikt miteinander zu sein. Vermutlich seid ihr beide an einem stressfreien Miteinander interessiert. Ihr möchtet wahrscheinlich beide nicht, dass der Konflikt euer berufliches Fortkommen beeinträchtigt. 

Auch der kleinste gemeinsame Nenner hat ein gewisses Entwicklungspotential.

Ernst Ferstl, österreichischer Dichter

In diesem Schritt des Klärungsprozesses solltet ihr euch darüber einig sein, dass ihr an der Lösung des Problems interessiert seid und bereit sein, daran gemeinsam zu arbeiten.

Sollte der Konflikt schon so weit fortgeschritten sein, dass einer von euch nur noch die Vernichtung des „Gegners“ im Sinn hat, ist es unbedingt an der Zeit, einen unbeteiligten Dritten als Mediator mit ins Boot zu holen. 

# 4 Konzentriere dich auf die Lösung

Ziel der Konfliktlösung im Arbeitskontext ist nicht, dass ihr am Ende gute Freunde seid, sondern, dass eine Zusammenarbeit wieder möglich ist. 

Konzentriere dich daher auf die Entspannung der Situation.

Suche nicht nach Fehlern. Suche nach Lösungen. 

Henry Ford, amerikanischer Unternehmer

Es sind die Klassiker unter den Kommunikationsregeln, deren Einhaltung uns bei erhitzten Gemütern doch immer wieder schwer fallen: Bleibe bei dir und vermeide Verallgemeinerungen. Sei möglichst konkret und beziehe dich auf Beispiele. Versuche dabei, nicht in Rechtfertigungen oder Angriff abzurutschen, sondern auf der Sachebene deine Sichtweise zu schildern. 

Sage klar, dass du an einer Lösung interessiert bist und zeige auf, wie deine Ideallösung aussehen würde. Aber auch, dass du für Kompromisse oder alternative Vorschläge offen bist. 

# 5  Eine konkrete Strategie formulieren

Ein klärendes Gespräch ist die eine Sache, eine zukunftsorientierte Strategie zu entwickeln, die andere. 

Die Lösung ist immer einfach, man muss sie nur finden. 

Alexander Solschenizyn, russischer Schriftsteller

Manchmal ist es sinnvoll, hierfür einen neuen Termin zu vereinbaren. So kann jeder das Gehörte verarbeiten und sich – wenn noch nicht geschehen – über seine Ideallösung Gedanken machen. 

Versucht dann, diese Vorstellungen eurer Lösungsvorschläge wie Schablonen übereinander zu legen. Wo finden sich Überschneidungen? Wo sind Unterschiede, die sich aber nicht ausschließen? Und wo müsst ihr an einem Kompromiss feilen? Arbeitet so lange an dieser Lösung, bis beide Parteien zufrieden sind. Auch hier spricht einiges dafür, einen neutralen Dritten hinzuzuziehen – manchmal sorgt das für eine zusätzliche Verbindlichkeit, sich an getroffene Vereinbarungen zu halten.

Beziehungen wider Willen  – Umgang mit negativen Gefühlen am Arbeitsplatz

Obwohl sich Konflikte am Arbeitsplatz vordergründig auf der Sachebene bewegen, steht hinter ihnen  meist – zumindest zusätzlich –  ein Beziehungskonflikt. Eine rein fachliche Auseinandersetzungen oder Diskussionen eskaliert selten so sehr, dass sie zum echten zwischenmenschlichen Problem wird. Meist stehen hinter den eskalierten Diskussionen noch andere Gründe, wie zum Beispiel eine generelle Antipathie gegenüber dem Kollegen, verletzter Stolz, Machtdemonstration, ein schwelender Konkurrenzkampf oder Neid. 

Das macht das Lösen von Konflikten im Arbeitskontext auch so schwierig: wir arbeiten uns an der Diskussion über ein fachliches Thema ab, anstatt über die Emotionen und Gedanken zu sprechen, die den Konflikt zumindest begleiten. 

Natürlich ist das Gespräch über Gefühle am Arbeitsplatz ein heikles Thema, denn unter Umständen macht uns das verletzlich und angreifbar. Es gibt hier keine pauschale Antwort, welcher Umgang mit den eigenen Emotionen am Arbeitsplatz „richtig“ oder „falsch“ ist. Es kommt auf das Umfeld an, auf die generelle Kommunikationskultur, deine persönlichen Grenzen, dein Verhältnis zu den Kollegen. 

Befindest du dich in einer Situation, in der du nicht weißt, wie du mit deinen Emotionen im Job umgehen sollst? Vereinbare gerne ein kostenloses Erstgespräch und wir suchen nach einer Lösung, mit der du dich wohl fühlst!